Peppol Netzwerk | Aufbau, Funktion und Bedeutung einfach erklärt
Peppol ist mehr als ein Format für E-Rechnungen. Es ist das Netzwerk, über das elektronische Rechnungen, Bestellungen und Lieferscheine sicher zwischen Unternehmen ausgetauscht werden. Mit der E-Rechnungspflicht in Deutschland gewinnt es schnell an Bedeutung: Seit 2025 muss jedes Unternehmen E-Rechnungen empfangen können, ab 2027 müssen größere Unternehmen sie versenden, ab 2028 alle.
Viele kennen Peppol nur als Stichwort. Wie das Netzwerk technisch funktioniert, bleibt oft unklar. Dieser Artikel erklärt die Bausteine verständlich: Access Points, SMP, SML und die Sicherheit dahinter. Und er zeigt, warum sich ein Blick auf Peppol gerade jetzt lohnt.
Einmal mit dem Peppol eDelivery Network verbunden (über einen Peppol Access Point), können öffentliche Stellen und private Unternehmen schnell und einfach jeden anderen Handelspartner erreichen, ebenfalls mit Peppol.
Was ist das Peppol Netzwerk?
Peppol steht für Pan-European Public Procurement Online. Es ist ein offener Standard und ein Netzwerk zugleich. Das Ziel: elektronische Geschäftsdokumente standardisiert und sicher zwischen Organisationen austauschen, ohne dass jede Verbindung einzeln eingerichtet werden muss.
Der entscheidende Unterschied zu klassischen Punkt-zu-Punkt-Verbindungen liegt im Prinzip. Sie brauchen nicht für jeden Geschäftspartner eine eigene Schnittstelle. Sie binden sich einmal an einen Peppol Access Point an und erreichen darüber alle anderen Teilnehmer im Netzwerk, egal über welchen Anbieter diese angebunden sind.
Peppol unterstützt die EU-Richtlinie 2014/55/EU zur elektronischen Rechnungsstellung und ist damit für den Austausch mit Behörden (B2G) geeignet. Es wird zunehmend auch im Geschäftsverkehr zwischen Unternehmen (B2B) genutzt. Den Standard pflegt die internationale Non-Profit-Organisation OpenPeppol, der auch BESITEC angehört.
Die Bausteine des Peppol Netzwerks
Damit eine E-Rechnung sicher beim richtigen Empfänger ankommt, arbeiten mehrere Komponenten zusammen. Vier Begriffe sollten Sie kennen.

Access Point
Der Access Point ist Ihr Tor zum Netzwerk. Sie können ihn sich wie ein digitales Postamt vorstellen. Jedes Unternehmen, das im Peppol Netzwerk Dokumente senden oder empfangen möchte, braucht eine Anbindung an einen Access Point.
Betrieben werden Access Points von zertifizierten Dienstleistern. Nur wer von einer Peppol-Behörde akkreditiert wurde, darf einen Access Point betreiben. Unternehmen können sich theoretisch selbst zertifizieren lassen, was hohe technische und organisatorische Anforderungen mit sich bringt, oder sie nutzen einen bestehenden Anbieter.
Service Metadata Publisher (SMP)
Der SMP funktioniert wie ein Adressbuch. Jeder Teilnehmer veröffentlicht dort seine Empfangsmöglichkeiten: welche Dokumenttypen er empfangen kann, über welchen Access Point er erreichbar ist, welche Formate er unterstützt.
Wenn Sie jemandem eine Rechnung schicken wollen, hilft der SMP dabei herauszufinden, wohin genau das Dokument geliefert werden muss.
Service Metadata Locator (SML)
Der SML ist das zentrale Verzeichnis des gesamten Netzwerks. Es gibt nur einen einzigen SML, zentral von Peppol betrieben. Seine Aufgabe: anhand der eindeutigen Empfänger-Adresse ermitteln, in welchem SMP die Zustellinformationen eines Teilnehmers hinterlegt sind.
Vereinfacht gesagt funktioniert das ähnlich wie das World Wide Web, das Webseiten anhand ihres Domainnamens findet. Der SML ist der Kerndienst, der alle vertrauenswürdigen Access Points und SMP identifiziert.
Public Key Infrastructure (PKI)
Die Sicherheit im Peppol Netzwerk beruht auf einer Public Key Infrastructure. Wenn ein Anbieter die Peppol-Verträge unterzeichnet, erhält er ein digitales Zertifikat. Dieses Zertifikat validiert die gesamte Kommunikation im Netzwerk und stellt sicher, dass nur bekannte und vertrauenswürdige Anbieter teilnehmen. Verstößt ein Anbieter gegen die Regeln, kann das Zertifikat widerrufen werden.
Die Datenübertragung selbst läuft verschlüsselt über das AS4-Protokoll, den technischen Standard für den sicheren Austausch im Peppol Netzwerk.
So läuft der Versand einer E-Rechnung ab
Das Zusammenspiel der Bausteine wird am konkreten Ablauf deutlich. Fachleute sprechen vom Vier-Ecken-Modell.
- Der Absender (Ecke 1) erstellt die Rechnung und übergibt sie seinem Access Point (Ecke 2), zusammen mit der eindeutigen Empfänger-Adresse.
- Der Access Point des Absenders fragt über den SML ab, welcher SMP für diesen Empfänger zuständig ist.
- Der SMP liefert die technischen Details: über welchen Access Point (Ecke 3) der Empfänger erreichbar ist und welche Dokumente er annehmen kann.
- Der Access Point des Empfängers (Ecke 3) stellt das Dokument dem Empfänger (Ecke 4) zur Verfügung, wo es direkt weiterverarbeitet werden kann.
Der Vorteil dieses Modells: Absender und Empfänger müssen sich nicht kennen und keine eigene Verbindung aufbauen. Das Netzwerk regelt die Zustellung. Genau das macht Peppol so skalierbar.
Vom Vier-Ecken- zum Fünf-Ecken-Modell
Mit der EU-Initiative ViDA (VAT in the Digital Age) entwickelt sich das Modell weiter. Im sogenannten Fünf-Ecken-Modell kommt die Steuerverwaltung als zusätzlicher Teilnehmer hinzu. Rechnungsdaten werden dann nicht nur zwischen den Geschäftspartnern ausgetauscht, sondern parallel auch an die Finanzbehörden gemeldet.
Das ist die Richtung, in die sich die E-Rechnung in Europa bewegt: weg von der reinen Übertragung, hin zu einem System, das Compliance und Meldung direkt einbindet. Für Unternehmen bedeutet das, dass eine saubere Peppol-Anbindung heute die Grundlage für die Anforderungen von morgen legt.
Warum Peppol mit der Pflicht ab 2027 wichtig wird
Die E-Rechnung ist in Deutschland im B2B-Bereich nicht mehr optional. Der Zeitplan im Überblick:
- Seit 1. Januar 2025: Alle Unternehmen müssen E-Rechnungen empfangen können.
- Ab 1. Januar 2027: Unternehmen mit mehr als 800.000 Euro Vorjahresumsatz müssen E-Rechnungen versenden.
- Ab 1. Januar 2028: Die Versendepflicht gilt für alle Unternehmen im B2B.
Das Gesetz schreibt kein bestimmtes Übertragungsnetzwerk vor. Der Versand per E-Mail bleibt zunächst möglich. Doch viele Fachstimmen, darunter die Deutschsprachige SAP-Anwendergruppe, plädieren für einen einheitlichen Übertragungsweg. Peppol ist der Kandidat, der sich dafür anbietet, weil es bereits von Bund, Ländern und vielen öffentlichen Auftraggebern genutzt wird.
Wer heute auf Peppol setzt, ist für die kommenden Stufen vorbereitet. Die Details zu Fristen, Formaten und Pflichten haben wir auf unserer Seite zur E-Rechnung in Deutschland zusammengestellt.
Neuerungen im deutschen Peppol Netzwerk
Das Netzwerk steht nicht still. Zwei aktuelle Entwicklungen aus Deutschland sind erwähnenswert.
Die KoSIT, die deutsche Peppol-Behörde, hat 2025 die GEBA (German Electronic Business Address) eingeführt. Sie basiert auf der neuen Wirtschafts-Identifikationsnummer und schafft eine standardisierte Adressierung für deutsche Unternehmen im Peppol Netzwerk. Bestehende Peppol-Adressen wie die Umsatzsteuer-ID bleiben weiterhin gültig, GEBA ist eine zusätzliche Option.
Parallel entwickelt sich das Rechnungsformat weiter. Mit XRechnung 4.0, basierend auf der überarbeiteten Norm EN 16931, wird das Datenmodell flexibler und stärker auf den B2B-Geschäftsverkehr ausgerichtet. Das ist ein wichtiger Baustein für die kommende Pflicht.
Diese Entwicklungen zeigen: Peppol ist ein lebendiges Netzwerk, das sich an die Anforderungen von Wirtschaft und Gesetzgebung anpasst. BESITEC ist aktiv in der OpenPeppol Community und verfolgt diese Neuerungen aus erster Hand.
So werden Sie Teil des Peppol Netzwerks
Damit Sie Dokumente über Peppol senden und empfangen können, brauchen Sie eine Anbindung an einen Access Point. Der Ablauf ist unkompliziert: Sie wählen einen zertifizierten Anbieter, erhalten eine Peppol-Adresse und sind darüber mit dem gesamten Netzwerk verbunden.
BESITEC ist zertifizierter Peppol Access Point Provider und begleitet Sie von der ersten Frage bis zum laufenden Betrieb. Ob Sie nur wenige Rechnungen versenden oder Ihr ERP-System vollständig anbinden möchten, wir finden die passende Lösung.
Einen Überblick, welche Länder weltweit an Peppol teilnehmen und welche Behörden dahinterstehen, finden Sie auf unserer Seite Peppol weltweit.
Kontakt: Jannik Stamm, Head of EDI
Telefon: +49 40 359641 259
Email: jstamm@besitec.com